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spreewald

05 Februar, 2014 

Urlaub
Bräuche im Spreewald

Wie bereits an anderer Stelle beschrieben, ist in den letzten Jahren ein Wiederaufleben diverser Bräuche festzustellen - sei es durch die intensive Arbeit von Vereinen oder auch von vielen Privatpersonen. An dieser Stelle möchte ich nur einige Bräuche erwähnen. Es handelt sich dabei um solche, die auch einen gewissen Aufschwung in den letzten Jahren erfahren haben.

Im Januar und Februar eines jeden Jahres findet der "Zapust", auch "wendische Fastnacht" genannt, statt - meist getrennt nach Jung und Alt. Der "Zapust" beginnt zumeist an einem Sonnabend mit dem so genannten "Zampern", welches das Ziel verfolgt, bei den Bauern und Bürgern des Ortes Naturalien in Form von Eiern, Speck, Schinken und anderem Ess- und Trinkbaren einzusammeln.

Zampern um 1929 in Burg Bild: Foto-Steffen

Zampern in Burg um 1929

In den letzten Jahren sind jedoch häufiger hauptsächlich Geldgaben gegeben worden. Diese Gaben schafften dann für den Fastnachtsumzug, mit anschließendem Tanz am folgenden Tag, die Grundlage. An diesem Tage treffen sich die Mitwirkenden dann paarweise in Sonntagstracht. Mit einer Blaskapelle im Zug zieht man dann durch den Ort. Bei allen Würdenträgern, Amtsinhabern und Sponsoren des Ortes wird vor deren Häusern auf der Straße getanzt - gemeinsam mit den Honoratioren werden dabei einige Schnäpse geleert. Nach mehreren Stunden versammelt man sich dann, mit beginnender Dunkelheit, in einen Saal des Ortes, um mit dem anschließenden Tanz die "Fastnacht" zu beenden. Dieser Brauch ist mit der in den bundesdeutschen Regionen sonst hinlänglich bekannten Fastnacht nicht zu vergleichen.

Fertig aufgeschichteter Reisighaufen mit der Strohpuppe obenauf.

Der fertige Reisighaufen

Darauf folgen dann von Ostersonnabend zu Ostersonntag die zahlreichen Osterfeuer in der gesamten Lausitz, die das Böse des Winters vertreiben sollen. Meist brennt in jedem Ort, organisiert durch die Jugend des Ortes, ein großes Feuer - und bei einigen Bauern weitere kleine. Dabei wird alles an Reisigholz, was den Winter über bei Rodungen und Holzungen anfällt, zu - zum Teil riesigen - Bergen aufgeschichtet. Auf dem Reisigberg ist eine Strohpuppe aufgestellt, die die vermeintlich bösen Mächte des Winters verkörpern soll.

Ein Grössenvergleich! Oben auf dem Haufen steht schon die den zu vertreibenden Winter symbolisirende Strohpuppe.

Ein Grössenvergleich!

 Um den Berg herum versammeln sich bereits im Laufe des Abends und beim Abbrennen einiger kleiner Wärmefeuer Jugendliche und auch ganze Familien bei Musik, Gesang und vielen Getränken. Um Mitternacht wird dann der große Haufen angezündet. Bis zum Herunterbrennen des Großteils des Reisigs, was meist 3-5 Stunden dauert, bleiben alle noch fröhlich zusammen und ziehen anschließend in Gruppen bei beginnender Morgendämmerung heimwärts. Natürlich wurde früher, in den letzten Jahren ist dies kaum noch anzutreffen, auf dem Heimweg viel Schabernack angerichtet: Zum Beispiel: Gartentore und Türen ausheben und auf den Dorfplatz bringen; Holzlatschen, Stiefel und Schuhe in den Bauernhöfen einsammeln und ebenfalls auf dem Dorfplatz deponieren. Betroffene, die frühzeitig damit anfingen, ihren Hausrat zu suchen, hatten dann natürlich noch die Wahl: So manches Latschen- und Stiefelpaar hatte danach einen neuen Eigentümer. Woher dieser Brauch kommt und welchen tieferen Sinn er hat, ist meines Wissens nicht bekannt.

In den letzen Jahren ist auch wieder der Brauch, Osterwasser zu holen, vereinzelt zu neuem Leben erweckt worden. Mädchen des Ortes holen im Morgengrauen, ohne auch nur einen "Mucks" von sich zu geben oder sich umzuschauen, in einem Krug Wasser aus einem bestimmten Fließ, welches im Gegensatz zu den anderen in Richtung Osten fließt. Wenn sie sich auf dem Weg nach Hause befinden, versuchen die Jungen dann, die Mädchen zum Reden zu bringen. Gelingt ihnen das, dann verliert das Wasser seine Funktion als Glück und Schönheit bringendes Osterwasser, sondern wird "Plapperwasser".

Osterwasser schöpfen Bild. Foto-Steffen

Osterwasser oder “Plapperwasser?

Ostersemmel backen in der Bäckerei Dabow in Burg im Spreewald Bild: Foto-Steffen
Ostersemmel knabbern Bild: Foto-Steffen

Ebenso eine alte Tradition die wieder zum Leben erweckt wurde ist die Ostersemmel.

Ostersemmeln

Spinnstube um 1932 Bild: Foto-Steffen

Spinnstube um 1932

Im Winter sind es Traditionen wie "Federn spleißen" und die "Spinte", die einen Einblick in ein von vielen Bräuchen bestimmtes Leben im Spreewald geben.

 Im Verlaufe des Jahres werden in Verbindung mit anderen Dorffesten noch einige Bräuche ausgeführt: In diesem Zusammenhang sind unter anderem "Hahnenschlagen"", "Froschkarren" und "Hahnrupfen" erwähnenswert. Vor einigen Jahren haben sich auch einige Pfarrer, die der wendischen Sprache noch mächtig sind, gefunden, um den sonntäglichen evangelischen Gottesdienst, wie bis 1930 üblich, in wendischer Sprache abzuhalten. Mit einem großen Zuspruch von Seiten der, teilweise auch nur noch wenig wendisch sprechenden, Kirchenmitglieder.

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